APPENZELLISCHE GEMEINNÜTZIGE GESELLSCHAFT

WILLKOMMEN

Die AGG ist eine private, gemeinnützige Gesellschaft, deren Mitglieder sich seit ihrer Gründung im Jahr 1832 in den beiden Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden sozial und kulturell engagieren.

Für Ihre Teilnahme an der 187. Jahresversammlung in Appenzell danke wir Ihnen herzlich! Das aktuelle Protokoll folgt.

Das Appenzellische Jahrbuch 2019 ist dem Schwerpunktthema «Bildung und Erziehung» gewidmet.

 

«Wer war für Sie die prägende positive Person auf ihrem Bildungsweg? Was war für Sie das positive Erlebnis in Ihrer Ausbildungszeit?» Dies wollte die Redaktion der Appenzellischen Jahrbücher von 100 Appenzellerinnen und Appenzellern wissen. 40 Antworten sind eingegangen, die nun im kürzlich erschienenen Jahrbuch 2019 nachzulesen sind.

Das diesjährige Schwerpunktthema «Bildung und Erziehung» ist eng mit der Geschichte der 1832 gegründeten Appenzellischen Gemeinnützigen Gesellschaft verknüpft, der Herausgeberin der Jahrbücher. Diese widmete sich in ihrer Anfangszeit, unter dem Eindruck vergangener Hungersnöte und politisch wie wirtschaftlich unsicherer Zeiten, einerseits der Verbesserung der Lebensbedingungen der bäuerlichen Bevölkerung und der landwirtschaftlichen Produktion, anderseits aber der Förderung des Bildungswesens. Nach einem der Landwirtschaft gewidmeten Jahrbuch (2015) folgt nun eines, welches das Bildungswesen in den Blick nimmt. Wie immer enthält es einen historischen und einen aktuellen Teil.

 

Sozialer Aufstieg durch Bildung

Anhand ausgewählter Biografien, derjenigen von Kalendermacher Johannes Tobler (1696 – 1765), Schullehrer Jakob Signer (1790–1859) und Schulleiter und -gründer Johann Conrad Zuberbühler (1787–1858), zeigt es auf, wie die Volksaufklärung den sozialen Aufstieg durch Bildung ermöglichte und förderte. Eigeninitiativen führten auch zur Gründung erster Kindergärten, wie ein weiterer Aufsatz ausführt. Die Rolle der Frauen wird insbsondere am Beispiel der Ingenbohler Lehrschwestern, die in Innerrhoden wirkten, deutlich.

Die Erwartungen gegenüber der Reformierbarkeit der Erziehung und der Schule seien im Verlaufe der letzten 200 Jahre beinahe ins Unermessliche gestiegen, schreibt der Erziehungwissenschaftler Daniel Tröhler in seinem einleitenden Aufsatz. Er beschriebt, wie diese pädagogischen Ambitionen in der Zeit vor und um 1800 entstanden seien, zitiert dabei aus dem Aufsatz «Über die Auferziehung der Kinder im Appenzellerland» des Trogner Arztes Laurenz Zellweger (1692-1764), laut dessen Ideal nicht Geld die Welt regieren sollte, sondern Tugend und Verantwortung. Tugend – «Anstand» reiche völlig – lasse sich nicht von den Kindern erwarten, bevor die Erwachsenen sie nicht selbst pflegen, schliesst Pädagogik-Professor Tröhler seinen Aufsatz.

 

Interviews mit Fachleuten

Anstand spielt auch aus Sicht der Schulpsychologin Margot Vogelsanger eine wesentliche Rolle. Bei ihren Kontakten mit Ausbildungsbetrieben hat sie festgestellt, dass deren Ansprüche an neue Lehrlinge meistens sehr einfach seien: «Sie sollen zuverlässig sein, pünktlich und anständig.» Eltern und Lehrpersonen täuschten sich, wenn sie glaubten, die Jugendlichen müssten in allen Fächern Topleistungen erbringen: «Die Rückmeldungen, die wir von Lehrbetrieben erhalten, tönen ganz anders: Erdrückt die Kinder nicht, schaut, dass sie anständig sind. Es reicht, wenn sie arbeiten können. Dann nehmen wir sie gern.»

Was trägt dazu bei, dass die Schule zum Erfolgserlebnis wird? Der Ausserrhoder Landammann und Bildungsdirektor Alfred Stricker nennt im Interview die Beziehungsfähigkeit von Lehrpersonen, die in den Kindern die Leidenschaft wecken: «Sie konnten uns Kindern Vorbild sein, vielleicht mit einer gewissen Strenge und Konsequenz, aber immer berechenbar. Sie zeigten, dass sie uns gernhatten.»

Der Innerrhoder Landammann und Erziehungsdirektor Roland Inauen hat gute Erinnerungen vor allem an jene Lehrpersonen, von denen er sich «erkannt» und ernst genommen gefühlt habe, «die sahen, wo ich eine Begabung hatte».

Das Appenzellische Jahrbuch 2019, welches allen Mitgliedern der Gemeinnützigen Gesellschaft zugesandt wird und auch im Buchhandel erhältlich ist, enthält zudem wie immer die Chroniken der beiden Appenzeller Kantone und ihrer Gemeinden und Bezirke sowie Nachrufe auf verstorbene Persönlichkeiten und in der Rubrik «Appenzeller Gedächtnis» in diesem Jahr eine Beschreibung der kantonalen Archive, des Landesarchivs Appenzell Innerrhoden und des Staatsarchivs Appenzell Ausserrhoden.

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